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Social Media-Journalismus [21. Mai, 14:09]

Vom Publizieren zum Kommunizieren

Charly sitzt auf seinem Fahrrad, holt aus und wirft die Zeitung zwischen Cornflakes und Pancakes auf den Frühstückstisch. Die Arbeit der Journalisten ist getan. Halt! Jetzt beginnt erst die Arbeit. Neben Geschäftsmodellen für Online-Zeitungen, iPad-Applikationen und Suchmaschinen-Optimierung gewinnt der Bereich Social Media an Bedeutung. Mit dem reinen Verlinken von Online-Artikeln auf Facebook und Twitter ist es nicht getan. Amerikanische Medienunternehmen zeigen uns, wie Leser, Journalisten und Online-Medien von Social Media profitieren können und wie sich der Nachrichtenkreislauf verändert.


Social Media für Medien-Unternehmen

Amerikanische Medienunternehmen wie die New York Times oder die Huffington Post nützen Facebook und Twitter bereits sinnvoll für sich und ihre Leser. Sie recherchieren Informationen, bewerben ihre Artikel und stärken die Marke durch den engen Kontakt mit ihren Lesern.


Europäische Medienhäuser sehen Social Media Plattformen häufig als zweifelhaften Ort der Unterhaltung und als weiteren Traffic-Bringer. Nur wenige verfügen über ausreichendes Wissen und Erfahrungen mit diesen Kanälen. Sie gehen mit falschen Erwartungshaltungen und nur selten strategisch an diese Plattformen heran. Ziele, Zielgruppen und eine Auswahl an geeigneten Kanälen werden bei der simplen „Mitmach-Taktik“ nicht bedacht.


Community-Building: Leserbrief vs. Kommentar
Jeder darf seinen Senf dazugeben. Social Media wirkt demokratischer und bedeutet Echtzeit-Dialog. Natürlich birgt diese neue Offenheit Gefahren. Eine starke Community kann aber selbstregulierend wirken und stärkt die Marke. So reagieren beispielsweise andere engagierte Leser auf kritische User-Postings. Dafür erwarten sich die Nutzer aber authentischen Dialog und exklusive Inhalte wie etwa Video-Streams mit User-Live-Chat.



Der neue Nachrichtenkreislauf

Social Media Plattformen unterstützen Medienunternehmen beim Wandel von passiven Publikations- zu aktiven Kommunikations- und Service-Plattformen. Dadurch kann sich die Entstehung von Nachrichten verändern. Ellyn Angelotti vom Poynter Institute spricht vom „New News Cycle“. Nachrichten verbreiten sich vermehrt über Social Networks oder Microblogs. Dies kann zudem die eigentliche Entstehung einer Geschichte beeinflussen. Journalisten haben die Chance, mit ihren Lesern zu kommunizieren, wovon auch ihre Geschichte profitieren kann.


The new news cycle von Ellyn Angelotti


Social Media als Nachrichten- und Recherchequelle

Twitter zählt nicht nur zu den bekanntesten Social Media Plattform, sondern gilt immer mehr als das schnellste Informations- und Nachrichtenmedium der Welt. Als Beispiel dafür gelten die Tweets zur Aschewolke des Eyjafjalla-Vulkans – auffindbar unter dem Hashtag #ash. Twitter ist aber nicht nur für Leser, sondern auch auf für Journalisten relevant. Sie können in Echtzeit Nachrichten-Trends verfolgen, darauf reagieren und Twitter & Co. zur eigenen Recherche verwenden.

Wer bei Social Media Usern nur an unterhaltungswütige Jugendliche denkt und um die Qualität der Rechercheergebnisse besorgt ist, irrt. So wird beispielsweise das Facebook-Publikum zunehmend älter und in der Masse der Facebook-Nutzer lassen sich auch geeignete Ansprechpersonen finden.



Social Media als Traffic-Bringer

Jeder Fan oder Follower ist gleichzeitig ein Multiplikator. Lesen beispielsweise 100 Personen meinen Artikel und jeweils 10 ihrer Freunde, so erreiche ich damit mehr als 1000 Menschen. Die Nachrichten-Empfehlungen meines „Freundes“ genießen zudem besonderes Vertrauen. Analysen zeigen, dass Social Media-Plattformen Nachrichten-Websites deutlich mehr Traffic als etwa Google und zudem weitaus treuere Leser bringen. Facebook ist zudem sehr ambitioniert, Google den Rang als Nr. 1 Traffic-Provider abzulaufen und ist auf dem besten Weg dorthin.


Jeffs' Rezept zum Erfolg
Das Erfolgsrezept für Medienunternehmen ist laut Jeff Jarvis ganz einfach: Zuerst dort hin gehen, wo sich die Leute befinden (Twitter, Facebook etc.). Danach heißt es Mitteilenswertes verteilen. Ob etwas mitteilenswert ist, entscheidet auch der User und deshalb sollte auch auf seine Anfragen hin geschrieben werden. Und davor, dazwischen und danach darf nie auf den Dialog mit den Lesern vergessen werden.


Jeff Jarvis



Das Wissen der jungen Generation

Charly, der Zeitungsjunge von Früher ist heute Social Media Stratege bei einer Online-Tageszeitung. Aufgewachsen mit Blogs, Facebook, Twitter, YouTube & Co. kennt er die Mechanismen sozialer Medien und weiß wie er sie nützen kann. Außerdem hat er bei den Social Media Vorlesungen seines Professors Sree Sreenivasan an der Columbia University gut aufgepasst.

Birgit Bröckel   Kommentar verfassen
Conny (Gast) meinte am [21. Jun, 05:46]
naja
Aber Das Modewort SM ist leider schon ueberstrapaziert 
BBroeckel antwortete am [5. Jul, 14:05]
Abgenutzte Begriffe aber positives Ziel
Liebe Conny,
muss dir Recht geben, Social Media ist bereits ein sehr abgenutzter Begriff, ähnlich wie Web 2.0. Der Wandel von Unternehmen die rein Informationen veröffentlichen hin zu jenen die Dialog zulassen und kommunizieren ist aber positiv und wird hoffentlich noch weite Kreise ziehen. 

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