Ich hab den Co-Chef von Mashable umarmt. Woohoo! Aber der Reihe nach: BMWi und Mashable haben gestern zur Global Innovation Series in Berlin geladen. In einer besonderen Location: Dem BMW Guggenheim Lab, einem mobilen "Forschungslabor", das um die Welt reist und Teams aus den Bereichen Stadtentwicklung, Architektur, Technik, Kunst als Playground und Ideenschmiede dient. Thema der gestrigen Konferenz: How Digital & Social Media are solving urban challenges.
Die Keynote von Pete Cashmore (Founder & CEO Mashable) musste aus "Krankheitsgründen" leider abgesagt werden, das Speaker-Line up war trotzdem ganz gut besetzt: Neben Adam Ostrow, Ex-Chefredakteur und nun "Chief Strategy Officer" von Mashable, durften u.a. Bonnie Shaw von iStrategy,Adam Greenfield (Urbanscale) und Sami Niemela(Creative Director von Nordkapp) ans Mikro.
Gequatscht wurde über neue Mobilitätskonzepte, Bürgerpartizipation und vieles mehr. Aber ich will euch nicht mit Schlagworten langweilen. Vielmehr hab ich euch eine Auswahl an vorgestellten Projekten und Apps mitgebracht, die ich für absolut sharenswert halte. Vieles ist nicht neu, in den allermeisten Städten aber leider noch viel zu weit von einer Umsetzung entfernt:
* City Hall: Bürger von Philadelphia können über die Smartphone App Fotos von städtischen Problemen (verschmierte Hauswände, zerstörte Straßenlampen ...) hochladen und direkt an die Stadtverwaltung melden. Die "Power of the crowd" klug genutzt. Auch das Projekt "Seeclickfix" will die Bewohner animieren, Missstände in ihrer Stadt aufzudecken und diese zu verbessern.
* Noise Tube: Eine weitere App, die das Wissen der Masse klug anzapft, um auf Lärmbelastungen in der Stadt aufmerksam zu machen. Nutzer können die Lärmwerte ihrer Umgebung messen, veröffentlichen und direkt an die Lokal-Verantwortlichen senden. Ein ähnliches Projekt wurde in der Industriestadt Portland für "seltsame Gerüche" geboren: "whatsinourair" stellt übersichtlich dar, wo in der Stadt es gerade besonders stinkt. (Hoffen wir mal, dass nicht jeder Furz gemeldet wird.)
* ZimRide: Eine Carpooling App, die Fahrgemeinschaften organisiert und schlau mit Facebook und Twitter vernetzt.
* SafeWalk: Eine Videosensor Technologie, die Fußgänger Übergänge nach dem aktuellem Verkehrsaufkommen steuert.
* Nest: Nest lässt den Nutzer Energieanlagen jederzeit und überall via Smartphone steuern. Wer vergessen hat, die Heizung in der Wohnung abzudrehen, holt das einfach unterwegs oder im Büro nach.
Hach. Vieles davon könnte ich mir auch gut für Wien vorstellen. Und für Berlin, Paris, Kapfenberg oder Unterkleinstätten.
Aber was hat das alles jetzt eigentlich mit Autos zu tun? Adam Ostrow sieht das Auto als "next great platform" für all diese Technologien. Und das wird nicht die einzige Herausforderung für die Automobilhersteller bleiben: Glaubt man den Zukunftsprognosen der gestrigen Expertenrunde, sind Carsharing & Co bald keine Nischenthemen mehr. Womit sich neue Anforderungen für die Gestaltung von Autos ergeben werden. Viele verschiedene Nutzer haben andere Bedürfnisse, als ein Autokäufer, der sich sein Traumauto im Konfigurator zusammenbastelt. Die Empfehlung: "You better design your cars as fleet vehicles for many people".
Wenn ich etwas von dieser Konferenz mitgenommen habe, dann eines: Hoffnung. Dass wir unsere mittelalterliche Städteführung endlich hinter uns lassen. Vorhandene Tools wie Open Data, Crowdsourcing nicht nur als Zukunftskonzepte loben, sondern endlich auch einsetzen. Die Ideen sind da. Bleibt nur die Frage: Challenge accepted, liebe Entscheidungsträger? Wenn ihr wissen wollt, woher der Innovations- und Veränderungsdruck kommt, schaut mal ins Social Web und ruft uns an ;)
PS: Ach ja, die Umarmung. Bonnie Shaw rief zu Beginn ihres Talks dazu auf, die Person neben sich zu umarmen. Gesagt, getan. (Kann ich das also auch von meiner Things-To-Do-Before-Marriage-Liste streichen.)
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