Banken gelten als eine Branche mit wenig Mut für Innovation. Abgesehen von Online-Banking hat sich in den letzten Jahren nicht viel an Innovation im Web getan. Doch gerade im Kontext von Web2.0 gäbe es viele Anknüpfungspunkte.
Blogging
Wenn man in Österreich nach Blogs im Finanzbereich sucht, so findet man nur ein Blog der Capital Bank - das Blog von Peter Ladreiter, der aus Sicht eines institutionellen Money-Managers seit November 2006 im 2 Wochen Rhythmus bloggt. Kommentare, externe Links und auch multimediale Inhalte sucht man leider vergeblich.
Wenn ein Werbeslogan lautet „in jeder Beziehung zählen die Menschen“ – wo und wie wird das Online umgesetzt? Banken erweisen sich Online als erstaunlich beziehungsunfähig und ohne jeden persönlichen Kontext. Wenn Märkte Gespräche sind wie es das Cluetrain Manifesto festhält, dann haben agieren Banken schon lange am Markt vorbei.
Kontaktaufnahme mit der Bank
Ich kenne niemanden, der mit den Bankenöffnungszeiten zufrieden ist. In den wenigen persönlichen Gesprächen sind dann die Hausprodukte scheinbar wichtiger als mein persönliches Anliegen. Welche Bank bietet dem Kunden eine persönliche webbasierte Form der Kontaktaufnahme? (außer dem Mailformular im Online-Banking). Neue Formen der Kundenkommunikation scheinen an Banken spurlos vorüber zu gehen.
Peer-To-Peer banking
Spätestens seit Zopa und Prosper ist „p2p-banking/lending“ in aller Munde. Was versteht man unter diesem Begriff?
Kurz erklärt: Menschen borgen Menschen Geld – ohne, dass eine Bank dazwischen steht. Nicht eine Person überweist einer anderen einen großen Betrag auf das Konto, sondern viele Personen borgen kleine Beträge. Wenn man bei Zopa £500 oder mehr verborgt, so wird das Geld auf mindestens 50 Personen aufgeteilt. Durch diese Aufteilung wird das Ausfallsrisiko minimiert (laut Zopa liegt die Ausfallsrate bei Krediten bei etwa 0,05%). Anhand einer Einstufung in 4 Bonitätsklassen und der Laufzeit (36 oder 60 Monate) wird der Zinssatz bestimmt. Zopa selbst finanziert sich aus Gebühren und agiert bereits in Großbritannien, USA, Japan und Italien und mittlerweile gibt es auch in einigen Ländern ähnliche Plattformen für P2P Kredite. So zum Beispiel Boober in den Niederlanden und Italien und Smava in Deutschland.
TV-Banking/iBanking
Mit der ansteigendenen Verbreitung von IPTV Systemen wächst auch die Anzahl der Applikationen, die auf dem Fernseher im Wohnzimmer abgebildet werden. Längst ist es nicht nur mehr eine steigende Anzahl an TV-Kanälen, die dem Konsumenten einen Mehrwert bietet. Auch im Bankensektor gibt es Ansätze Dienstleistung von der von der Bankfiliale ins Wohnzimmer zu holen.
Spezieller Banken-Content, ist ansich nichts Neues. So hat beispielsweise die Sparda-Bank Hamburg gemeinsam mit Finanzplaner.TV eine eigene Finanz-Sendung gestartet. Einen Schritt weiter geht dabei schon die holländische Rabobank, die ein TV-Banking Produkt anbietet.
Das Screendesign wirkt auf dem Computer ein wenig eigenwillig, aber die Seite ist ja schliesslich auch für das Endgerät TV konzipiert worden (und zwar für einen 08/15 Apparat und keinen High-End Full-HD Fernseher)
Ob die Rabobank hier mit dem TV das optimale Endgerät gefunden hat wird sich weisen.
Seit Ende des letzten Jahres bietet die deutsche Postbank eine spezielle Seite für iPhone User an. Momentan ist der Service auf Kernfunktionalitäten wie Überweisungen, Daueraufträge oder die Abfrage von Kontoständen beschränkt (kurzes Video)
Wer ein iPhone sein eigen nennt, kann sich das Testkonto einmal ansehen. Die Zugangsdaten lauten: Kontonummer: 9999999999 (zehnmal die neun) und PIN: 11111 (fünfmal die eins).
Mit der rasanten Verbreitung von mobilen Endgeräten die endlich auch Webinhalte adequat dargestellen, bin ich mir sicher, dass andere andere Banken hier nachziehen werden und ein Banking im Sinne des Always-On Gedanken bald Wirklichkeit wird.
läuft momentan noch unter der Weboberfläche von Wordpress, das Impressum und der Disclaimer ist auch noch nicht fertig, das sollte aber alles noch relativ schnell kommen. Schaut doch mal rein.
Liebe Raiba Lustenau - Danke für den Kommentar. Tolle Initiative. Ich wünsche euch viel Raum und Zeit für ein Lernen am lebenden Objekt. Solltet Ihr mal Fragen haben, meldet euch einfach unverbindlich - würde mich freuen!
Ich wär ja schon mal zufrieden, wenn die Onlinebanking-Seiten halbwegs benutzbar und akzeptabel anzusehen wäre.
Zumindest das Raiffeisen-Onlinebanking ist jedenfalls meilenweit davon entfernt: 5 Pixel hohe Schriften, verwirrende Farbgebung bei Tabs, unübersichtliches Menü, die Hälfte der Seiten/Funktionen unerklärterweise (für mich? vorübergehend?) nicht verfügbar, usw... ärgert mich jedes Mal aufs Neue.
Danke auch für deinen Kommentar. Banken leben von guten Beziehungen zu Ihren Kunden. Beziehungen basieren auf Identitäten. Was wir im Netz beobachten können ist die Entstehung von "digitalem Identitätsmanagement" - dieses ist Grundlage für Beziehungsmanagement. D.h. was ganz grundsätzlich fehlt ist die Verfügbarkeit und Ansprechbarkeit einer transparenten Online Identität. Das kann ein Web-Profil sein, ein Blog, etc. So etwas schafft Kontext und Kontext schafft Vertrauen und Vertrauen ist die beste Grundlage für Geldgeschäfte. Im Prinzip geht es nur darum, das was erfolgreiche MitarbeiterInnen von Banken in der realen Welt schon immer gemacht haben auch im digitalen Raum zu tun.
ja, hilft schon weiter...wobei wir Identitäten im Grunde schon haben. Im netbanking wird das Betreuerbild angezeigt (sofern vom Institut freigeschalten) und der Betreuer kann selbstverständlich per Mail kontaktiert werden. Blogs...ja auch das haben wir in unserer spark7 Community (www.spark7.com). Selbstverständlich ist alles noch ausbaufähig.
Glückwunsch zum Artikel. Dieser ist auf jeden Fall interessant und regt zum Nachdenken an.
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